Nachhaltigkeitsbericht 2017

Im Dialog mit Anspruchsgruppen

Wir ermöglichen eine erfolgreiche Energiewende für eine nachhaltige Welt – das ist unsere Vision. Als Übertragungsnetzbetreiber ist sich 50Hertz seiner gesellschaftlichen Verantwortung für dieses anspruchsvolle und generationenübergreifende Gemeinschaftsprojekt bewusst.

Der offene Dialog mit all unseren Stakeholdern ist integraler Bestandteil unserer Kommunikation. Wir engagieren uns in zahlreichen Kultur-, Sport-, Natur- und Artenschutzprojekten im Netzgebiet und unterstützen soziale Initiativen partnerschaftlich. Dabei liegen uns das Wohl und die Förderung von Kindern und Jugendlichen am Herzen. Auch mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft sowie Nichtregierungsorganisationen kooperieren wir eng.

Für die Umsetzung unserer vielfältigen gesellschaftlichen Aktivitäten haben wir bei 50Hertz klare Management- und Organisationsstrukturen etabliert. Die Verantwortung für unser Engagement liegt im Bereich Kommunikation und Public Affairs. In Abstimmung mit der Geschäftsführung definiert der Bereich die Ziele, koordiniert die Aktivitäten und prüft Anfragen für unterstützungswürdige Vorhaben. In unserer Unternehmensrichtlinie für Spenden und Sponsoring sind unsere allgemeinen Fördergrundsätze, die Bewertungskriterien und der organisatorische Ablauf transparent, einheitlich und bindend für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter festgelegt. Bei der Vergabe von Spenden und bei der Unterstützung durch Sponsoring achten wir stets darauf, dass dies im Einklang mit unseren Unternehmenswerten steht, auf Langfristigkeit ausgelegt ist und einen echten Mehrwert für die Menschen und die Gesellschaft bietet.

Frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung

Um die Energiewende erfolgreich umzusetzen, ist es erforderlich, die Höchstspannungsnetze weiterzuentwickeln. Bei diesen anspruchsvollen Infrastrukturprojekten spielt die Einbindung der relevanten Anspruchsgruppen eine besondere Rolle. In den Regionen, in denen vorhandene Kapazitäten verstärkt oder neue Umspannwerke und Leitungen gebaut werden, ist der Informations- und Beteiligungsbedarf der Bürgerinnen und Bürger sowie spezieller Anspruchsgruppen groß. 50Hertz führt diesen Dialog offen und transparent: Wir beziehen die Öffentlichkeit frühzeitig ein, verbessern damit die Projekte und legen den Grundstein für größtmögliche Akzeptanz für unsere Vorhaben. Den Dialog mit unseren Anspruchsgruppen beginnen wir bereits in sehr frühen Planungsphasen unserer Projekte. Dies schließt sowohl die Konsultation zum Netzentwicklungsplan als auch zu Netzverstärkungs- und Ausbauvorhaben ein. Konkret gestalten wir den Dialog unter anderem mit folgenden Angeboten: Infomärkten, Kreiskonferenzen, Planungsforen, Fachworkshops, themenspezifischen Broschüren, Bürgertelefonen oder mit unserem DialogMobil. 2017 wurde dieses mobile Bürgerbüro von der „Renewables Grid Initiative“ (RGI) mit dem „Good Practice of the Year Award“ ausgezeichnet. Darüber hinaus regeln wir in internen, projektbezogenen Richtlinien Zeitabläufe und Zusammenspiel von Projektplanung, Genehmigung, Öffentlichkeitsbeteiligung sowie Stakeholder-Management.

Eva Schulze beim Infomarkt Berlin Tiergarten im Gespräch mit einer Anwohnerin Infomarkt in Berlin Tiergarten: Eva Schulze aus dem Bereich Naturschutz und Genehmigungen im Gespräch mit einer Anwohnerin.
Die Erkenntnisse und Informationen, die in diesem proaktiven Dialog und in den Informationsveranstaltungen mit möglichst allen betroffenen Anspruchsgruppen gewonnen werden, beziehen wir für jeden nachvollziehbar in die Erarbeitung der Trassenverläufe unserer Leitungen ein. Unsere Dialoge basieren auf klar definierten Vorgaben, werden in festgelegten Formaten und mit Hilfe eines standardisierten „Werkzeugkastens“ geführt. 50Hertz bindet alle vom Netzausbau betroffenen Gemeinden und potentielle Anrainer schon vor Beginn der Genehmigungsverfahren in die Planungen ein. Dieses Vorgehen wurde gemeinsam mit kommunalen Spitzenverbänden in einem 2015 veröffentlichten Positionspapier bekräftigt.

Die Herausforderungen der Energiewende sind sehr komplex. Wir überlassen es aus gutem Grund nicht unserem Bauchgefühl, mit wem wir wann über unsere Projekte sprechen und wie wir auf unsere Kooperationspartner zugehen. In einem Indikatoren-basierten Monitoring- und Bewertungssystem messen wir Qualität und Wirkung der Öffentlichkeitsbeteiligung bei 50Hertz auf den Ebenen Zeit, Transparenz, Beziehung und Einflussmöglichkeit. Wir ermitteln so Gesprächsbedarfe und können deshalb möglichst frühzeitig, themenorientiert und offen auf unsere Anspruchsgruppen zugehen. Wir sind überzeugt davon: Je offener und umfassender wir Politik, Gesellschaft, Kooperationspartner, Interessengruppen sowie betroffene Bürgerinnen und Bürger in unsere Infrastrukturprojekte einbeziehen, umso höher ist die Akzeptanz für unsere Vorhaben.
Projektrealisierung einer Freileitung Projektrealisierung einer Freileitung

Stakeholder-Dialoge im 50Hertz-Netzquartier

Über 80 Behörden- und Verbandsvertreter, Umweltexperten, Infrastrukturplaner, Genehmigungsexperten und Rechtswissenschaftler sind im Herbst unserer Einladung zur Fachkonferenz „Vogelschutz an Höchstspannungsfreileitungen – Methoden, Spielräume und Realisierbarkeit“ gefolgt. Ziel war der Austausch darüber, wie wir den Anforderungen an den Vogelschutz genügen können, ohne unsere Projekte der Energiewende zu gefährden.

Auf insgesamt über 70 Veranstaltungen sind wir 2017 mit nationalen und internationalen Stakeholdern aus Politik, Energiewirtschaft und Verbänden in den Dialog getreten. Themen waren der Umgang mit den Herausforderungen der Energiewende und die sichere Integration von über 50 Prozent Erneuerbare Energie ins elektrische System. Insbesondere internationale Gruppen aus Australien, Belgien, Brasilien, Bulgarien, China, Indien, Kanada, Kuwait, Madagaskar, Norwegen, Russland, Schweden, Singapur, Taiwan und den USA erhielten Einblicke in die erfolgreiche Integration Erneuerbarer Energien.

Mit 180 Expertinnen und Experten der Branche sowie Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Verwaltung diskutierten wir auf unserer 10. Systemsicherheitskonferenz unter anderem über die Herausforderungen des europäischen Winterpakets (Clean Energy for all Europeans-Package), über Netzzugangsbedingungen für den europäischen Stromaustausch, den Umgang mit kritischen Netzsituationen und nicht zuletzt über die Details des Datenaustausches.

Mit der regelmäßigen Veranstaltungsreihe „Ländertreff Netze Nordost“ stellt 50Hertz zwei bis dreimal im Jahr Kontakt zu und zwischen den Vertretern der Exekutive der Bundesländer her und verstetigt diesen. Die Treffen fördern einen regelmäßigen, gemeinsamen Austausch zu energiepolitischen Themen. Auf bundespolitischer Ebene etablierte 50Hertz 2017 das „Energie-Lunch im Netzquartier“. In diesem Gesprächsformat diskutieren Fachleute von 50Hertz mit Vertreterinnen und Vertretern aus Legislative, Exekutive, Verbänden und NGOs mehrmals im Jahr über aktuelle Herausforderungen bei der Integration Erneuerbarer Energien, dem Netzausbau und der Systemführung.

Beim 50Hertz Banker’s Day kamen 2017 zum nun bereits sechsten Mal etwa 40 Finanzexperten von 20 verschiedenen Banken und Institutionen in Berlin zusammen. Das Thema nachhaltige Finanzierungsmöglichkeiten, zum Beispiel für Offshore-Projekte, bestimmte die Agenda.

Immer wichtiger wird für uns auch der Dialog mit unseren Zulieferern und Fremdfirmen, die in unserem Auftrag die Energiewende mitgestalten. Auf dem „50Hertz-Lieferantentag“ im Herbst 2017 sensibilisierten wir unsere Geschäftspartner für unsere qualitativ anspruchsvollen Ziele bei der Realisierung unserer Projekte, zur Termin- und Budgettreue sowie zur Einhaltung unserer hohen Standards in der Arbeitssicherheit und im Gesundheitsschutz. Dies ist für uns ein wichtiger Aspekt, um die Risiken in unserer Geschäftstätigkeit zu minimieren.