Nachhaltigkeitsbericht 2017

Kooperationen und Netzwerke

Nur gemeinsam meistern wir die Energiewende. Davon sind wir überzeugt. 50Hertz kooperiert deshalb seit vielen Jahren mit den verschiedensten Akteuren zu den Themen Erneuerbare Energien, Klima- und Umweltschutz sowie Harmonisierung des europäischen Strommarktes.

Kooperation mit Verteilnetzbetreibern

Seit 2014 arbeitet der Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) 50Hertz noch enger mit den in der Arbeitsgemeinschaft Flächennetzbetreiber Arge Ost zusammengeschlossenen Verteilnetzbetreibern (VNB) in seinem Netzgebiet zusammen. Mit der zunehmenden Einspeisung Erneuerbarer Energien in die Netze und der damit einhergehenden weiteren Dezentralisierung entstehen neue flexible Akteure, die in der Regel an die Verteilnetze angeschlossen sind. Daher ist für 50Hertz klar, dass man die System- und Netzsteuerung gemeinsam an die neuen Anforderungen anpassen muss. In einem 10-Punkte-Programm haben wir deshalb gemeinsam mit den VNB der Arge Ost notwendige Entwicklungen für die vier Systemdienstleistungen Frequenzhaltung, Spannungshaltung, Betriebsführung und Versorgungswiederaufbau formuliert.

 

Das

 


10

Punkte Programm



definiert Verantwortlichkeiten zwischen
Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern.

Aktuell finden erste Pilottests für Lösungsansätze zu den Systemdienstleistungen Frequenzhaltung und Spannungshaltung statt. Hierzu haben die VNB zusammen mit 50Hertz unter anderem eine aktive Blindleistungssteuerung eingeführt. In Abstimmung mit den Erzeugern wird 50Hertz den VNB zudem die Kraftwerkseinsatzplanungsdaten zur Verfügung stellen. Dies stellt neue Anforderungen an die System- und Netzführungen und setzt eine intensive Abstimmung zwischen ÜNB und VNB voraus. So wurde z. B. auch ein Schulungskonzept erarbeitet, um entsprechende Fachkenntnisse zu vermitteln und notwendige Handlungsabläufe zu trainieren.

Gemeinsam im Umspannwerk Wolmirstedt unterwegs: Rainer Schmittdiel, Claudia Dalbert, Dr. Frank Golletz, Johannes Kempmann und Andreas Mötzing Gemeinsam im Umspannwerk Wolmirstedt unterwegs: (v.l.) Rainer Schmittdiel, Geschäftsführer Avacon Netz GmbH, Sachsen-Anhalts Energie-Ministerin Claudia Dalbert, 50Hertz-Technik-Geschäftsführer Dr. Frank Golletz, Johannes Kempmann, Technischer Direktor der Städtischen Werke Magdeburg und Andreas Mötzing, Leiter des 50Hertz Regionalzentrums West

WindNODE – Lösungen für die Energiewende

Im Januar 2017 startete das Verbundprojekt WindNODE mit einem ersten Konsortialtreffen mit sämtlichen Partnern im 50Hertz Netzquartier. Als Verbundkoordinator hat 50Hertz das Projekt mitbegründet. Mehr als 70 Partner haben sich zusammengeschlossen, um innerhalb von vier Jahren eine nordostdeutsche Modellregion für intelligente Energie zu entwickeln. Neben Energieversorgern und Netzbetreibern beteiligen sich Unternehmen der Automobilindustrie, der Ver- und Entsorgungsindustrie, der Wohnungswirtschaft, des Einzelhandels sowie mehrere Universitäten und Forschungsinstitute aus der Region an dem Vorhaben.

Gemeinsam werden Lösungen entwickelt, um immer größere Mengen Erneuerbarer Energien möglichst effizient in die Stromnetze zu integrieren und zugleich die Stromnetze stabil zu halten. WindNODE umfasst alle sechs ostdeutschen Bundesländer, einschließlich Berlin, und steht unter der Schirmherrschaft der sechs Ministerpräsidenten bzw. des Regierenden Bürgermeisters von Berlin. Das Vorhaben hat einen Umfang von knapp 70 Millionen Euro und wird im Rahmen des Förderprogramms „Schaufenster intelligente Energie – Digitale Agenda für die Energiewende“ (SINTEG) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.

Zusammenarbeit zwischen WindNODE, Fraunhofer-Institut und 50Hertz Gemeinsam auf der Suche nach den richtigen Wegen für Netze: (v.l.) Markus Graebig (WindNODE), Marc Richter (Fraunhofer-Institut) und Olaf Ziemann (50Hertz)

Die 50Hertz-Teilprojekte bei WindNODE

Bild: Flexibilisierung und Organisation im Energiesystem der Zukunft 

Im Projekt WindNODE ist 50Hertz mit dem Teilprojekt Flexibilitätsplattform vertreten. Damit soll aufgezeigt werden, wie dezentrale Anlagen in energiewirtschaftlichen Prozessen besser genutzt werden können. In diesem Rahmen entwickelt 50Hertz gemeinsam mit regionalen Verteilnetzbetreibern eine Flexibilitätsplattform, über die kleine konventionelle und erneuerbare Erzeugungsanlagen beziehungsweise zuschaltbare oder verschiebbare Lasten ihre Flexibilitäten anbieten können. Basierend auf diesen Geboten können dezentrale Flexibilitäten technologieneutral in die Prozesse der Netzengpassbewirtschaftung einbezogen werden. In einem weiteren 50Hertz-Teilprojekt sollen auch die Regelleistungsprozesse hinsichtlich einer verbesserten Einsatzmöglichkeit dezentraler Flexibilitäten weiterentwickelt werden. Eine wichtige Basis für die neuen Prozesse bietet die Smart-Meter Infrastruktur. Denn die automatisierte Verarbeitung von Zählwerten ist wichtig für die effiziente Abwicklung der Prozesse. Auch sollen die Daten aus den intelligenten Messsystemen für eine Prognoseverbesserung für Vermarktung und Systembetrieb genutzt werden.

Weitere Informationen zum Verbundprojekt WindNODE und seinen Teilprojekten finden Sie hier: www.windnode.de

Vernetzt mit der Wissenschaft

Im Berichtsjahr 2017 wurden für Forschungs- und Entwicklungsvorhaben insgesamt rund drei Millionen Euro aufgewendet. Dem standen 0,25 Millionen Euro gegenüber, die als öffentliche, nicht rückzahlbare Zuschüsse gewährt wurden.

Regelmäßig teilen wir unsere Erfahrungen aus der Praxis mit der Wissenschaft. Dafür hat 50Hertz einen wissenschaftlichen Beirat gegründet. Das ehrenamtlich tätige Gremium setzt sich derzeit aus 16 Professoren aus den Bereichen Energietechnik, -wirtschaft, -recht und -politik zusammen. Der Beirat kommt ein- bis zweimal im Jahr zusammen, um über aktuelle, für 50Hertz relevante Themen und Zukunftsfragen zu diskutieren und diese zu bewerten. Wichtige Aspekte in der Zusammenarbeit sind das Initiieren und Durchführen von gemeinsamen Forschungs-, Entwicklungsprojekten und Studien sowie die Begleitung von Dissertationen, Bachelor- und Masterarbeiten. Zukünftig sollen Nachhaltigkeitsthemen einen größeren Stellenwert in diesem wissenschaftlichen Dialog einnehmen.

Seit vielen Jahren kooperiert 50Hertz mit Hochschulen im Norden und Osten Deutschlands. Zu diesen wissenschaftlichen Partnern gehören unter anderem die Technische Universität Dresden, die Technische Universität Ilmenau, die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, die Friedrich-Schiller-Universität Jena, die Brandenburgische Technische Universität Cottbus und die Technische Universität Berlin. Gemeinsam mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Studentinnen und Studenten untersucht 50Hertz beispielsweise die Spannungsqualität von Höchstspannungsnetzen, den Betrieb von Dreh- und Gleichstrom auf einem gemeinsamen Mastgestänge, die Ermittlung von kritischen Bedingungen im Netz von 50Hertz oder die Implikationen der Energiewende für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Zusätzlich bringen wir uns regelmäßig mit praxisbezogenen Vorträgen, Vorlesungen und Workshops in den Studien- und Wissenschaftsalltag an den Hochschulen und Forschungsrichtungen ein.

Europäische Netzinfrastruktur nachhaltig entwickeln

Die 2009 zusammen mit Umweltverbänden ins Leben gerufene Renewables Grid Initiative (RGI) ist eine europaweite Austausch und Dialogplattform für Übertragungsnetzbetreiber und Nichtregierungsorganisationen. 50Hertz war von Anfang an dabei. Die weltweit einmalige Initiative verfolgt die effektive Integration Erneuerbarer Energien in das Stromnetz und setzt sich für eine nachhaltige Entwicklung der europäischen Netzinfrastrukturen ein:

Der frühzeitige Austausch zwischen Übertragungsnetzbetreibern und Umweltverbänden, lokalen Behörden, Institutionen sowie Bürgern bei Netzausbauprojekten soll gefördert, das lokale Verständnis in die Projekte verbessert und die Genehmigungsverfahren nach Möglichkeit beschleunigt werden.

Unter der Federführung der RGI wurde dies im Rahmen des EU-geförderten BESTGRID-Projekts in insgesamt fünf Pilotprojekten erfolgreich erprobt. 50Hertz beteiligte sich hier im Rahmen des Netzausbauprojekts 380-kV-Freileitung Bertikow-Pasewalk.