Nachhaltigkeitsbericht 2017

Unser Geschäft

Wir arbeiten konsequent am Erfolg der Energiewende

Als Übertragungsnetzbetreiber sichern wir die Stromversorgung von rund 18 Millionen Menschen im Norden und Osten Deutschlands. Unser Höchstspannungsnetz hat eine Stromkreislänge von etwa 10.200 Kilometern. Wir halten den anforderungsgerechten Zustand der Leitungen und der Umspannwerke durch effiziente Wartung instand, bauen unser Netz bedarfsgerecht aus und stellen die elektrische Balance zwischen Energieverbrauchern und Erzeugern in unserem Netzgebiet rund um die Uhr sicher. Mehr als 1.000 Beschäftigte sorgen an acht Standorten dafür, dass in Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen rund um die Uhr der Strom fließt.

Mit der Energiewende hat sich das System der Energieversorgung fundamental geändert. Zunehmend werden Erneuerbare Energien direkt oder über die Verteilnetze in unser Netz eingespeist und über unsere Leitungen transportiert. Schon heute beträgt der rechnerische Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch im Netzgebiet von 50Hertz über 53 Prozent. Dieser Anteil wird weiter wachsen. Das Netz von 50Hertz ist darauf vorbereitet, die Region auch künftig stabil und sicher mit Strom zu versorgen. Denn wir arbeiten konsequent daran, die Energiewende erfolgreich zu gestalten.

Unser Strom schwingt mit 50Hertz

50Hertz überträgt die Energie in seinen Netzen vorrangig mit Drehstrom. Dieser Strom wechselt 100 Mal in der Sekunde seine Fließrichtung. Technisch ausgedrückt: Der Strom schwingt mit einer Frequenz von 50 Hertz. Schwankungen in der Stromerzeugung und im Stromverbrauch wirken sich auf die Frequenz aus. Die Frequenz fällt bei einem Leistungsdefizit und steigt bei Leistungsüberschuss. Damit die Frequenz immer im Bereich zwischen 49,8 und 50,2 Hertz liegt, gleichen wir die Schwankungen permanent aus. So halten wir das Netz zu jeder Zeit stabil.
Claudia Dalbert, Dr. Frank Golletz, Johannes Kempmann und Rainer Schmittdiel bei der Inbetriebnahme des Umspannwerkes Wolmirstedt Sachsen-Anhalts Energieministerin, Prof. Dr. Claudia Dalbert, gibt per Funk die Anweisung zur Inbetriebnahme des Umspannwerkes Wolmirstedt. Links neben ihr Dr. Frank Golletz, Geschäftsführer Technik 50Hertz, rechts neben ihr Johannes Kempmann, Technischer Geschäftsführer der Städtischen Werke Magdeburg, sowie ganz rechts Rainer Schmittdiel, Geschäftsführer der Avacon Netz GmbH.

Unser Geschäft ist spannend

Als Übertragungsnetzbetreiber transportieren wir die elektrische Energie über große Entfernungen mit Höchstspannungen von 150, 220 und 380 Kilovolt (kV). Die Verteilnetzbetreiber verteilen die elektrische Energie in ihrer jeweiligen Region mit Hochspannung von <= 110kV. Zwischen der Hoch- und Höchstspannung übernehmen Transformatoren die Umwandlung der elektrischen Energie von einer Spannungsebene in die andere. Besonders energieintensive Industriebetriebe sind direkt an unser Höchstspannungsnetz angeschlossen, zum Beispiel Stahlwerke.

Rollen von 50Hertz: Netzeigentümer, Marktentwickler, Systemführer und Treuhänder Unseren gesellschaftlichen Auftrag gestalten wir effizient, sicher und nachhaltig. Dabei haben wir verschiedene Rollen zu erfüllen.

Netzeigentum

Stetig bauen wir unser Übertragungsnetz bedarfsgerecht um und aus, halten es im betriebsfähigen Zustand und beseitigen Schäden, die altersbedingt oder zum Beispiel durch Unwetter entstehen. 2017 haben wir die Südwest-Kuppelleitung, die von Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt nach Redwitz in Bayern führt, vollständig ans Netz genommen. Die Südwest-Kuppelleitung ist eine 380-kV-Freileitung. Sie führt vom Umspannwerk Bad Lauchstädt zum Umspannwerk Vieselbach bei Erfurt in Thüringen und von dort über das Umspannwerk Altenfeld bis zum Umspannwerk Redwitz. Der Abschnitt in Bayern wurde vom Übertragungsnetzbetreiber TenneT errichtet.

Südwest-Kuppelleitung

Über die Südwest-Kuppelleitung wird hauptsächlich Strom aus Erneuerbaren Energien aus dem Norden zu den großen Verbraucherzentren im Süden Deutschlands transportiert. Der Bau wurde von der Europäischen Union als „Projekt von gemeinsamem Interesse“ (PCI: project of common interest) eingestuft und finanziell mit insgesamt bis zu 100 Millionen Euro gefördert. Hintergrund ist, dass mit der Südwest-Kuppelleitung die Versorgungssicherheit auch auf europäischer Ebene verbessert wird. Die beiden Stromkreise der insgesamt knapp 200 Kilometer langen Südwest-Kuppelleitung (161 km im Netzgebiet von 50Hertz, 31 km im Netzgebiet von TenneT) können nun zusätzliche 5.000 Megawatt (MW) von Nord- nach Süddeutschland übertragen.

Bei der Planung und dem Bau der Südwest-Kuppelleitung stand 50Hertz nicht nur vor technischen Herausforderungen. Bürgerinnen und Bürger in den betroffenen Thüringer Regionen haben zeitweise vehement gegen den Trassenbau protestiert. Wir haben daraus viel gelernt.

Lesen Sie mehr dazu unter „Engagement“.

In der Ostsee entsteht derzeit die Verbindung zweier Offshore-Windparks, die sogenannte „Combined Grid Solution“. Dieser Interkonnektor wird als weltweit erster seiner Art die Netzanschlüsse von Windparks auf See nutzen, um die Übertragungsnetze zweier Länder miteinander zu verbinden. Damit werden Windparkeinspeisung und Stromhandel kombiniert. 50Hertz verbindet dafür den dänischen Windpark „Kriegers Flak“ mit dem deutschen Windpark „Baltic 2“ und schließt sie gemeinsam mit dem Windpark „Baltic 1“ an das Übertragungsnetz an. Das Besondere daran: Weil das dänische und das deutsche Netz zwar auf der gleichen Frequenz, aber nicht synchron schwingen, muss ein sogenannter Doppelkonverter zwischengeschaltet werden. Dieser wird gegenwärtig an Land in Bentwisch bei Rostock gebaut. Auch dieses Projekt wird von der europäischen Union mit bis zu 150 Millionen Euro unterstützt.

Beim Netzausbau agiert 50Hertz nachhaltig und schont die Ressourcen der Natur und der Umwelt. Wir bauen nur so viele Leitungen neu, wie tatsächlich notwendig sind. Aus Verantwortung für Natur und Umwelt gleichen wir notwendige Eingriffe in die Natur mit geeigneten Kompensationsmaßnahmen aus und geben der Gesellschaft Lebensraum und Kulturlandschaften zurück.

Lesen Sie mehr dazu unter „Umwelt“.

Die Energiewende ist für uns als Netzbetreiber eine herausfordernde Aufgabe

In der Studie „Energiewende-Outlook 2035“ haben wir unterschiedliche Entwicklungsszenarien der Energiewende untersucht. Im Mittelpunkt der Betrachtung stand die Überprüfung, ob der geplante Netzausbau auch dann noch bedarfsgerecht sein würde, wenn sich die Energiewende auf anderen als den derzeit sichtbaren Pfaden entwickelt. Die Studie hat eindeutig gezeigt, dass alle von 50Hertz geplanten Netzausbaumaßnahmen für alle untersuchten Entwicklungspfade passend dimensioniert sind.

Systemführung

Wir halten Erzeugung und Verbrauch von elektrischer Energie zu jeder Zeit in unserem Netzgebiet im Gleichgewicht, sorgen für einen optimalen Stromfluss und für einen reibungslosen Übergang zu unseren benachbarten Übertragungsnetzbetreibern und zu den Verteilnetzen. Das ist in unserem Netzgebiet eine besonders anspruchsvolle Aufgabe, denn hier ist mehr Erzeugungsleistung aus Erneuerbaren Energien als aus konventionellen Kraftwerken installiert. Vor allem Windkraft spielt eine große Rolle. Am 28. Oktober 2017 haben wir mit 14.266 MW Windenergie einen neuen Einspeiserekord in unserem Netzgebiet registriert. Die Einspeisemenge ändert sich ständig und in kurzen Intervallen. Gleiches trifft für die Einspeisung aus Photovoltaik-Anlagen in unser Netz zu. Auch diese unterscheidet sich von Stunde zu Stunde und je nach Wetterlage. 2017 lagen beispielsweise die Tageswerte am 7. Juni zwischen 0 MW und 7.200 MW. Durch ständige Nachsteuerung werden Einspeisung und Entnahme im Gleichgewicht gehalten und so die Sicherheit des elektrischen Gesamtsystems gewährleistet.

Stabilisierung der Kosten für das Engpassmanagement

Trotz des weiteren Erneuerbaren-Zubaus von 2.100 MW im Jahr 2017, konnten wir die Kosten für das Engpassmanagement auf Vorjahresniveau halten. Die neu errichtete Südwest-Kuppelleitung beeinflusst das Engpassmanagement von 50Hertz positiv. Bereits nachdem der erste der beiden Stromkreise der Leitung 2015 ans Netz gegangen war, konnten wir im Folgejahr rund 80 Millionen Euro an Redispatch-Kosten einsparen. Mit der Inbetriebnahme des zweiten Stromkreises im September 2017 ging die Südwest-Kuppelleitung nach 15-jähriger Planungs- und Bauzeit vollständig in Betrieb. Die Einsparungen an Redispatch-Kosten haben sich in 2017 auf 181 Millionen Euro summiert.



181

Millionen Euro



Einsparungen an Redispatch-Kosten
durch die Südwest-Kuppelleitung im Jahr 2017.

 

Engpassmanagement und Redispatch

An besonders wind- und sonnenintensiven Tagen wird mehr Strom gehandelt, als physisch durch die Leitungen transportiert werden kann. Um die Systemsicherheit auch in solchen Situationen zu gewährleisten, werden konventionelle Stromerzeuger, die räumlich vor einem Netzengpass liegen, angewiesen, ihre Leistung zu verringern. Gleichzeitig wird die Stromerzeugung jenseits des Leitungsengpasses aktiviert. Dieser sogenannte Redispatch ist komplex und kostenintensiv, denn während die Stromerzeuger im Norden und Osten Deutschlands heruntergefahren werden, werden gleichzeitig Reservekraftwerke im Süden Deutschlands oder Europas hochgefahren. Die Kosten der Kraftwerke werden vergütet. Reicht das nicht aus, um einen Leitungsengpass zu beheben, muss zusätzlich durch Einspeisemanagement die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien im Netzgebiet gedrosselt werden. Hierfür fallen ebenfalls Entschädigungsleistungen an, die den Erzeugern Erneuerbarer Energien gezahlt werden. Die Gesamtkosten sind die sogenannten Engpassmanagementkosten.

Netzausbau zeigt Wirkung

Ohne die Südwest-Kuppelleitung hätte 50Hertz viel weniger Strom aus dem Norden und Osten Deutschlands in den Süden transportieren können. Als Teil des Engpassmanagements hätten wir kostengünstige Kraftwerke im 50Hertz-Netzgebiet drosseln und dafür in Bayern und Österreich Kraftwerke zuschalten müssen. In den nächsten Jahrzehnten werden in unserem Netzgebiet weitere Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien entstehen. Mit Blick darauf und den bevorstehenden Atomausstieg ist die Fertigstellung dieser Leitung ein bedeutender Meilenstein auf dem Weg zur erfolgreichen Energiewende.

Übrigens: Auf unserer Unternehmenswebsite informieren wir live über den aktuellen Stand der Einsparungen und über die aktuelle Transportleistung der Südwest-Kuppelleitung.

Bilanzkreismanagement

Strom ist frei handelbar. Händler, Stromvertriebe, Erzeuger und Netzbetreiber sind im 50Hertz Netzgebiet verschiedenen Bilanzkreisen zugeordnet. Innerhalb jedes einzelnen Bilanzkreises halten sich Stromeinspeisungen und -entnahmen viertelstündlich die Waage. Sind Bilanzkreise nicht ausgeglichen, entstehen Abweichungen vom Gesamtgleichgewicht, die wir ausgleichen. Dafür nehmen wir überschüssige Strommengen ab oder geben Bilanzausgleichsenergie in den Bilanzkreis. Entsprechende Salden werden monatlich mit den Bilanzkreisverantwortlichen abgerechnet. In der Summe aller Bilanzkreise halten wir zwischen Einspeisungen und Entnahmen zu jeder Zeit das Gleichgewicht. Wir setzen dazu Regelenergie ein.

Marktentwicklung

Ähnlich wie der Verkehr fließt auch der Strom grenzüberschreitend – und wir wollen diesen internationalen Stromfluss verbessern. Aufgrund unserer zentralen Lage in Europa sind wir dafür prädestiniert. 50Hertz ist mit den Höchstspannungsnetzen von Dänemark, Polen und Tschechien sowie unserem innerdeutschen Nachbarn direkt verbunden und arbeitet vertrauensvoll mit den Betreibern dieser Netze zusammen. Wir engagieren uns für die Entwicklung eines gemeinsamen europäischen Strommarktes und wirken hierzu in zahlreichen Initiativen, Kooperationen und Projekten mit. 50Hertz ist zudem an der europäischen Energiebörse „European Energy Exchange“ (EEX) in Leipzig und damit mittelbar auch an der Strombörse „European Power Exchange“ (EPEX) in Paris beteiligt.

Einer der beiden Phasenschiebertransformatoren wird im Umspannwerk Röhrsdorf entladen.

Phasenschiebertransformatoren

Phasenschiebertransformatoren (PST) werden zur Steuerung der Stromflüsse eingesetzt. Man kann sich einen Phasenschiebertransformator als einstellbares Ventil vorstellen. In einem Leitungsnetz ändert dieses Ventil die Energieflüsse und verteilt diese um. Damit können sowohl Überlastungen einzelner Leitungen vermieden als auch Reserven weniger belasteter Leitungen genutzt werden. Derzeit betreibt 50Hertz zwei PST in Röhrsdorf am Übergang zum tschechischen Netz. Weitere befinden sich in Vierraden am Übergang zum polnischen Netz im Bau.

Gemeinsam mit unseren Nachbarn und den Marktteilnehmern entwickeln wir Handelsprodukte, die eine effiziente Nutzung und Steuerung der Netze und des Energiesystems ermöglichen.

Auch neue Herausforderungen gehen wir an: So hat die vermehrte Einspeisung von Windenergie im Netzgebiet von 50Hertz die Verbindungsleitungen nach Polen und Tschechien immer stärker belastet. Es kam zu Ringflüssen, den sogenannten Loop Flows, bei denen sich Strom aus dem Norden Deutschlands über Polen und Tschechien den Weg nach Bayern und Österreich sucht. 50Hertz vereinbarte mit den Netzbetreibern PSE in Polen und CEPS in Tschechien, diese grenzüberschreitenden Stromflüsse besser zu kontrollieren: An den Kuppelpunkten zu den Netzgebieten dieser Nachbarn wurden deshalb Phasenschiebertransformatoren (PST) installiert. Dadurch können wir Stromflüsse im Netzgebiet von 50Hertz effizienter steuern, Übertragungspotentiale möglichst vollständig auslasten und den freien Stromhandel in Europa deutlich verbessern.

50Hertz ist schon heute Vorreiter für die Integration volatiler Erneuerbarer Energien. Deshalb entwickeln wir mit über 70 Partnern im Projekt „WindNODE“ Lösungen, mit denen große Mengen Erneuerbarer Energien in das Energiesystem integriert und dabei die Stromnetze stabil gehalten werden können.

Lesen Sie mehr dazu unter „Engagement“.
Diskussion zum Thema "EU Clean Energy Package". Auf der Bühne sitzt unter anderem Boris Schucht, CEO von 50Hertz. Diskussion zur regionalen Zusammenarbeit auf Brüsseler Parkett. Mit dabei CEO Boris Schucht. Vor 150 Gästen aus Politik, Branche und Gesellschaft stellt er die Sicht von 50Hertz dar.

Treuhänderschaft

Darüber hinaus hat uns der Gesetzgeber die Koordination der Abwicklung gesetzlicher Umlagesysteme zur besonderen Förderung umweltschonender Technologien übertragen. Dazu zählen unter anderem das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG). Wir führen diese Umlagen als Treuhänder zusammen, verwalten diese und koordinieren die Verteilung an die Empfänger. Wenn Erzeuger den Strom aus Erneuerbaren Energien nicht selbst vermarkten, verkaufen wir diesen Strom an der Strombörse. Damit integrieren wir transparent Erneuerbare Energien in den Strommarkt.