Nachhaltigkeitsbericht 2017

Im Gespräch mit Marco Nix

 

„Wir nehmen den nachhaltigen Effizienzgedanken sehr ernst.“

Marco Nix, Geschäftsführer Finanzen

Der Freiberger Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz hat vor über 300 Jahren die nachhaltige Holzwirtschaft zum Prinzip erhoben. So wie der Gedanke der Nachhaltigkeit einst die Forstwirtschaft beförderte, bestimmt er seit einigen Jahren zunehmend unternehmerisches Handeln. Carlowitz forderte, pfleglich mit der Natur und sorgsam mit den Rohstoffen umzugehen. Heute wird das Thema Nachhaltigkeit längst mit weiteren Inhalten gefüllt. 50Hertz hat in seinen Prinzipien und Leitlinien Nachhaltigkeit zur Unternehmensmaxime erhoben. Kann das historische Prinzip der Nachhaltigkeit überhaupt auf ein modernes Unternehmen wie 50Hertz übertragen werden?

— Marco Nix: Wir müssen abwägen, was wir tun und was wir lassen! Das ist aus meiner Sicht die Grunderkenntnis von Carlowitz. Es geht nicht immer konfliktfrei, Finanz- und Effizienzziele, die Ziele in der Arbeitssicherheit und die 50Hertz-Unternehmenskultur in Einklang zu bringen. Aber über allem steht das Ziel eines bedarfsgerechten Netzausbaus sowie die Gewährleistung der Versorgungssicherheit. Die Unternehmensführung hat sich Prinzipien verschrieben, die Arbeitsnormen und Standards für Arbeitssicherheit, Umweltschutz, Korruptionsbekämpfung und Menschenrechte festlegen. Seit April 2017 engagieren wir uns im Deutschen Global Compact Netzwerk und sind Teil dieses weltweiten Wertebündnisses. Unsere Belegschaft arbeitet nach Leitlinien, die auf diesen Werten gründen. In der IT- und Arbeitssicherheit erfüllen wir die gesetzlich vorgegeben Grundanforderungen und haben uns eigene Richtlinien gegeben. Diese gehen an vielen Stellen über die gesetzlichen Vorgaben hinaus.

Warum legen Sie darauf so viel Wert?

— Marco Nix: In Zukunft wird niemand unternehmerisch erfolgreich sein können, der diese Werte nicht achtet. Immer selbstverständlicher fordern Investoren nachhaltige Strategien, um so das eigene Risiko zu verringern. Schon heute werden 50Hertz-Investitionen daran gemessen, wie nachhaltig und ressourcenschonend sie auf mittlere und lange Sicht sind. Das trifft längst nicht mehr nur auf sogenannte Nachhaltigkeitsfonds zu. Wer künftig versäumt, Nachhaltigkeit in seiner Unternehmensstrategie zu verankern, wird es schwer haben. Reputation und Nachhaltigkeit entscheiden über den Erfolg eines Unternehmens.

„Wer Nachhaltigkeit nicht achtet, wird in Zukunft nicht erfolgreich sein können.“

Ihre Investments sind vor allem langfristig angelegt. Wie können Sie über diese Zeiträume die Risiken erfolgreich überblicken?

— Marco Nix: Unser Unternehmen besteht nicht nur aus Masten und Transformatoren. Bei diesen Investitionen haben wir die Risiken sehr gut im Blick; im Bereich der Offshore-Netzanschlüsse ist unsere Lernkurve ebenfalls sehr steil. Viel schnelllebiger sind Energiemärkte, Energiebeschaffung, Systemführung und die IT-Sicherheit. Hier stellen wir uns immer wieder neuen Herausforderungen. Technische Komponenten und Standards entwickeln sich in diesen Bereichen sehr dynamisch. In der Systemführung haben wir auf Basis des IT-Sicherheitskataloges der Bundesnetzagentur ein umfassendes Sicherheitssystem ausgerollt und zertifizieren lassen. Diese Zertifizierung fordert Unternehmen und Mitarbeiter, dessen bin ich mir bewusst. Gleichzeitig besitzen wir mit dem Informationssicherheitsmanagementsystem nun aber Informationsstrukturen, die uns auf kritische Punkte in unseren Anwendungen hinweisen. Wir werten diese mit unseren Systempartnern und Lieferanten derzeit aus und schauen, wo wir noch besser werden müssen.

Werden damit auch Ihre unternehmensinternen Prozesse effizienter?

— Marco Nix: Das neue System hat uns geholfen, unsere Prozesse mit Blick auf die Sicherheitsanforderungen zu prüfen und – wenn erforderlich – zu korrigieren. Angelehnt an die von der Bundesnetzagentur festgelegte Regulierungsperiode überprüft 50Hertz alle fünf Jahre unternehmensweit Prozesse auf ihre Effizienz. 2017 war dies besonders wichtig, da unser Unternehmen wie unser Geschäft in den zurückliegenden Jahren sehr stark gewachsen sind. Damit veränderten sich auch unsere unternehmensinternen Prozesse in einem hohen Tempo und wir mussten sie teilweise gänzlich neu aufsetzen. Im Rahmen des Effizienzprojektes haben wir 2017 eine umfangreiche Prozessprüfung vorgenommen. Mit den ersten Ergebnissen können wir ganz zufrieden sein. Bei einer Kostenbasis, die unter den gesetzlich vorgegebenen Effizienzbemühungen liegt, haben wir uns vorgenommen, ca. acht Prozent gegenüber den geplanten Kosten einzusparen. Diese Einsparungen kommen zunächst 50Hertz zugute, auf mittlere Sicht werden unsere Netzkunden davon profitieren. Wir können gegenüber der Bundesnetzagentur nachweisen, dass uns die Kosten der Energiewende wichtig sind und wir den nachhaltigen Effizienzgedanken ernst nehmen.