Nachhaltigkeitsbericht 2017

Naturschutz

Wir nehmen größtmögliche Rücksicht auf Natur, Umwelt und den Lebensraum der Menschen in unserem Netzgebiet. Diesen Grundsatz verfolgen wir bei allen Um- und Ausbaumaßnahmen unseres Übertragungsnetzes sowie bei unseren Umspannwerkprojekten. Bei der Projektplanung balancieren wir in den Genehmigungsverfahren technische Anforderungen, die Interessen der von unseren Projekten betroffenen Menschen sowie den Schutz von Flora und Fauna verantwortungsvoll aus.

So führen wir im Vorfeld der Genehmigungsverfahren Umweltverträglichkeitsprüfungen und Raumuntersuchungen durch, die den Ist-Zustand feststellen und einen möglichst verträglichen Trassenkorridor identifizieren. Anschließend verorten wir in diesem Raum den genauen Verlauf der Leitung und legen fest, welche Schutzmaßnahmen wir beachten müssen. Diese Untersuchungen werden gemeinsam mit externen Umweltplanern, Trassierungsexperten und mit weiteren Spezialisten aus Wissenschaft und Naturschutz entwickelt. Erst danach beginnen wir mit unseren Bauvorhaben, die zudem von externen Öko-Spezialisten begleitet werden. Selbst Baustelleneinrichtungen und Bauablauf setzen wir so um, dass mögliche vorübergehende Beeinträchtigungen der Natur minimiert, naturschutzrelevante Fristen eingehalten und Vorgaben frühzeitig berücksichtigt werden. Die von 50Hertz beauftragten ausführenden Unternehmen werden auf die Einhaltung der ökologischen Aspekte ihres Handelns verpflichtet.

Wesentliche Bestandteile der Ökologischen Baubegleitung (ÖBB)

  • Überwachung der Einhaltung von Schutz-, Vermeidungs- und Verminderungsmaßnahmen des landschaftspflegerischen Begleitplans und der Erfüllung von Auflagen und Bedingungen im Planfeststellungsbeschluss
  • Beratung bei der Flächenauswahl für Baustelleneinrichtungen und Baustofflager
  • Abnahme aller beanspruchten Flächen nach Rekultivierung bzw. Renaturierung einschließlich Fotodokumentation
  • Schriftliche Dokumentation der Schutz- und Minimierungsmaßnahmen zur Übergabe an die Naturschutzbehörden
  • Erfassung von im landschaftspflegerischen Begleitplan nicht bilanzierten, unvermeidbaren Eingriffen während der Bauausführung
  • Teilnahme an Bauberatungen

Kompensationsmaßnahmen

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Kompensationsmaßnahmen befanden sich
Ende 2017 im 50Hertz-Netzgebiet in Planung,
Realisierung und Unterhalt

Mit geeigneten Maßnahmen kompensiert 50Hertz unabwendbare Eingriffe in Natur, Umwelt oder Lebensräume. Wir streben Kompensationsmaßnahmen mit dem größten gesamtgesellschaftlichen Nutzen an. Diese teilen wir in sechs Kategorien ein: Pflanzmaßnahmen, Forstmaßnahmen, wasserbauliche Maßnahmen, Artenschutz, Rückbaumaßnahmen und sonstige Maßnahmen. Bei der Planung und Umsetzung von Kompensationsmaßnahmen binden wir die betroffenen Gemeinden, Naturschutzbehörden, interessierte Bürger und Nichtregierungsorganisationen sehr frühzeitig ein. Denn sie kennen sich mit den Besonderheiten der Natur- und Lebensräume in ihrem Umfeld am besten aus. Im partnerschaftlichen Miteinander erarbeiten wir geeignete Vorhaben und schlagen diese im Zuge der Genehmigungsplanungen vor. Im Jahr 2017 haben wir einen Leitfaden für ein zielgerichtetes Kompensationsmanagement verabschiedet. In diesem definieren wir Handlungsfelder, die zur erfolgreichen Zulassung und Umsetzung der Maßnahmen nötig sind. Alle zwei Monate tagt eine interne Bewertungskommission, die über die Maßnahmen entscheidet. Die ausgewählten Maßnahmen werden in einem Liegenschaftskataster erfasst. Derzeit befinden sich 440 Kompensationsmaßnahmen im 50Hertz-Netzgebiet in Planung sowie 190 in Realisierung und Unterhalt.

Eine der größten Einzelmaßnahmen zur Kompensation des Baus der Südwest-Kuppelleitung durch den Thüringer Wald war 2017 der von der Gemeinde gewünschte Abriss eines achtgeschossigen Plattenbaus in Frauenwald (Ilmkreis). Im Frühjahr 2018 werden die Außenmauern des ehemaligen Armee-Heimes abgerissen.

Außerdem strebt 50Hertz eine vorausschauende, eingriffsminimierende und ökologisch verträgliche Leitungs- und Trassenplanung sowie deren Bewirtschaftung für mehr Biodiversität in Waldschneisen sowie für besseren Vogel- und Amphibienschutz an. Gemeinsam mit Partnern untersuchen wir mögliche Risiken für die Tierwelt durch Stromleitungen und leiten entsprechende Handlungsempfehlungen ab. 

Was sind Kompensationsmaßnahmen?

Das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) regelt in Deutschland die Belange des Naturschutzes. Auch für Infrastrukturmaßnahmen wie den Leitungsbau sind darin im Hinblick auf Eingriffe in die Natur (Eingriffsregelung) entsprechende Kompensationsmaßnahmen geregelt. Nach BNatSchG ist der Verursacher dazu verpflichtet, vermeidbare Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft zu unterlassen bzw. so gering wie möglich zu halten (Vermeidungs- und Minimierungsgebot). Unvermeidbare Beeinträchtigungen sind durch geeignete Maßnahmen zu kompensieren.

Wir bei 50Hertz haben in der Vergangenheit den Fokus auf die Durchführung eigener Kompensationsmaßnahmen gelegt, etwa in Form von Ersatzpflanzungen. Daneben sind aber auch Beteiligungen an Projekten anderer Organisationen sowie Ausgleichszahlungen möglich. Diese Optionen wollen wir in Zukunft aus Effizienzgründen stärker als bislang nutzen.

Beispiele für Kompensationsmaßnahmen

Vogelschutz

Im Ilmkreis in Thüringen haben wir beispielsweise als Kompensationsmaßnahme vier ausgediente Trafostationen zu Artenschutztürmen ausgebaut. Die Türme mit Nistkästen und Schlupflöchern in Dörnfeld, Espenfeld und an der Thomasmühle nahe Frauenwald bieten Vögeln, Igeln, Waldbienen und Fledermäusen nunmehr einen geeigneten Lebensraum. Der Kreisverband Ilmenau des Naturschutzbundes (NABU) wird diese vier Türme mit Schautafeln ausstatten, betreuen und pflegen.

Der Storchenpflegehof Papendorf e. V. im Landkreis Vorpommern-Greifswald kümmert sich südwestlich von Pasewalk um verletzte Tiere, darunter viele Greifvögel. Wir unterstützten den Verein bei der Errichtung einer Freiflug-Voliere für Seeadler. Zudem haben wir den Brandenburger Verein Aquila e. V. und den Storchenpflegehof Papendorf e. V. zusammengebracht, damit sie sich fachlich zur Pflege von Greifvögeln und dem Volierenbau austauschen können.

Höchstspannungsleitungen beeinträchtigen die Vogelwelt. Deshalb minimiert 50Hertz beim Leitungsausbau negative Auswirkungen auf den Vogelschutz. Für diese Projekte nutzen wir eine neue artenspezifische Methode zur systematischen Ermittlung der Auswirkungen auf den Artenbestand 2017. Mit dieser können wir zielgerichteter Vorsorge- und Kompensationsmaßnahmen identifizieren. 2018 werden wir auf 30 Kilometern Vogelschutzmarker im Bestandsnetz anbringen. Da bei älteren Leitungen im Bestandsnetz häufig bauliche Veränderungen der Mastkonstruktion notwendig sind, haben wir bereits mit entsprechenden, vorbereitenden Arbeiten begonnen. Zudem hat 50Hertz 2017 als Mitglied der „Renewables Grid Initiative“ den Aufbau der Hotline Vogelfund und Stromleitung des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) aktiv unterstützt. In einer Vergleichsstudie wurde die Wirksamkeit von Spiral- und Klappenmarkern untersucht. Sie sollen Vögeln helfen, eine Leitung im Flug zu erkennen und ihr auszuweichen. Vogelschutz-Kameras zwischen Strommasten in einem Vogelschutzgebiet sollen zudem das Verhalten der Tiere beobachten. Mit diesen Maßnahmen und Projekten erhöhen wir den Vogelschutz an unseren Leitungen.

Bild: Ringe für Wanderfalkennachwuchs. Die geschützten Raubvögel haben ihr Nest auf einem 50Hertz-Freileitungsmast.

Bei der Planung, dem Bau und dem Betrieb von Leitungen initiiert und gestaltet 50Hertz den Dialog mit der Öffentlichkeit, Fachexperten, Verbänden, Umweltorganisationen sowie lokalen Umwelt- und Naturschutzbehörden. In gemeinsamen Konsultationen, Gesprächen, Workshops und Dialogrunden werden Informationen ausgetauscht und die potenziellen Leitungskorridore diskutiert, um Landschaft und Natur so gut wie möglich zu schützen. Wo immer es sinnvoll ist, werden Leitungen mit bereits existierenden Freileitungen und anderen Infrastrukturen wie Bahntrassen und Autobahnen gebündelt. Um das Landschaftsbild nicht unnötig zu beeinträchtigen, passen wir die Strecken den Gegebenheiten der Landschaft an.

Ökologisches Schneisenmanagement

Um eine Freileitung in Waldgebieten zu bauen, werden in der Regel Schneisen angelegt. Die Leiterseile brauchen wegen der notwendigen Sicherheitsabstände genügend Freiraum zu den Seiten und zum Boden. Auf den Schneisen müssen deshalb abschnittsweise und immer wiederkehrend Bäume entfernt werden. Bäume und Sträucher bieten jedoch Lebensräume für zahlreiche Tiere und Pflanzen. Deshalb versuchen wir, diese Naturräume langfristig so wenig wie möglich zu beeinträchtigen und die Biodiversität, also die biologische Vielfalt, unter den Leitungen zu erhöhen.

Bereits 2010 hat 50Hertz in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Erfurt ein „Ökologisches Schneisenmanagement“ (ÖSM) entwickelt. Mit diesem wird eine vorausschauende, eingriffsminimierende und ökologisch verträgliche Trassenplanung und -bewirtschaftung betrieben: Die Schneise unter einer Freileitung wird unter Berücksichtigung des sicheren Betriebs so gestaltet, dass dort wieder natürliche Lebensräume entstehen. Im Projektablauf entwickelt sich eine biologisch diverse und wertvolle Schneise. 50Hertz wendet das ÖSM pflichtgemäß auf Neubautrassen und darüber hinaus auf freiwilliger Basis bei Bestandstrassen an. Wir haben in unserem Netzgebiet insgesamt 550 km Bestandstrassen identifiziert, die durch Waldgebiete führen und sich deshalb prinzipiell für das ÖSM eignen. Nach einer Befliegung wurden 17 Kilometer Leitungsschneise durch Umweltfachplaner begangen, um flächenspezifisch geeignete ökologische Pflegemaßnahmen zu entwickeln. Nach erfolgter Planung werden alle in einer Trasse vorgenommenen Biotop-Pflegemaßnahmen nach den Grundsätzen des ÖSM ausgerichtet. So wurde gegenüber dem Vorjahr 2017 die Waldrandgestaltung von 7,1 km auf 10,7 km ausgeweitet und die Anzahl von Pflanzungen von 20.700 auf 25.700 erhöht. Bei Neubauprojekten kam das ÖSM erstmals auf der Südwest-Kuppelleitung im Bauabschnitt 2 und 3 zum Einsatz. Insgesamt 36,5 km der Neubautrasse wurden komplett im ÖSM umgesetzt bzw. planerisch festgestellt.

Gewässerschutz

Die Geschäftstätigkeit von 50Hertz hat keinen signifikanten Wasserverbrauch zur Folge. Unsere Verantwortung besteht weniger darin, den Wasserverbrauch zu reduzieren. Vielmehr wollen wir bei den Netz- und Umspannwerksprojekten die Wasserhaltung im Boden besonders berücksichtigen sowie Wasser- und Bodenverschmutzung durch gefährdende Stoffe verhindern. So hat 50Hertz bereits besondere Sicherungssysteme in Öl enthaltenden Anlagen eingebaut. Unter den Transformatoren in Umspannwerken befindet sich zum Schutz der Umwelt eine aufwändige Konstruktion, damit kein Öl in den Erdboden gelangt. Die Anlagen werden regelmäßig von unserem Wartungspersonal kontrolliert und bei Bedarf saniert oder erneuert. Abwasser darf nur eingeleitet werden, wenn eine behördliche Genehmigung vorliegt und es regelmäßig auf Schadstofffreiheit überprüft wurde.

Beim Gewässerschutz beachten wir das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) und die länderspezifischen Anlagenverordnungen (VAwS) sorgsam. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden im Hinblick auf den umweltfreundlichen Betrieb der Anlagen geschult. Gewässerschutzbeauftragte werden gezielt fortgebildet. Im Netzgebiet sind die Vorgaben nach dem Gesetz zur Ordnung des Wasserhaushaltes (WHG) und der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (VAwS) vor allem relevant für die Küsten Mecklenburg-Vorpommerns und somit für unsere Offshore-Netzanschlüsse.