Nachhaltigkeitsbericht

Governance, Risk & Compliance

GRI 419-1

Durch verschiedene Vereinbarungen wurde die operative Führung des Konzerns der Eurogrid GmbH an die Geschäftsführung der 50Hertz Transmission delegiert.

Die Geschäftsführung von 50Hertz Transmission bestand im Geschäftsjahr 2018 aus vier Mitgliedern: Boris Schucht (Vorsitzender der Geschäftsführung), Dr. Dirk Biermann (Geschäftsführer Märkte und Systembetrieb), Dr. Frank Golletz (Technischer Geschäftsführer) und Marco Nix (Geschäftsführer Finanzen). Die Arbeitsdirektorin Dr. Katharina Herrmann komplettierte die erweiterte Geschäftsleitung. Sie hat das Unternehmen im Oktober 2018 verlassen. Ihre Nachfolge hat Sylvia Borcherding zum 1. Januar 2019 angetreten.

Rechtliche Rahmenbedingungen

50Hertz richtet sein Handeln stets an geltendem Recht aus. Die Geschäftstätigkeit unterliegt zahlreichen nationalen und europarechtlichen Regelungen. Die nachfolgenden wesentlichen Gesetze und europäischen Verordnungen und Richtlinien geben den Rahmen für die Geschäftstätigkeit vor:

  • das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG)
  • das Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (EEG)
  • das Gesetz zur Modernisierung der Netzentgelte (NEMoG)
  • das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG)
  • das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG)
  • das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG)
  • das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende
  • die Energieeffizienz-Richtlinie der Europäischen Union (EU)
  • die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU und
  • die Vogelschutz-Richtlinie der EU.

Im Geschäftsjahr 2018 hat das Bundeskabinett der Novelle des Netzausbaubeschleunigungsgesetzes Übertragungsnetz (NABEG) zugestimmt, das einen wichtigen Einfluss auf die Geschäftstätigkeit haben wird. Wesentlicher Inhalt der vorgeschlagenen gesetzlichen Änderungen ist die Vereinfachung und Beschleunigung von Genehmigungsverfahren für Neubau, Verstärkung und Optimierung von Stromleitungen. Die bereits im NEMoG im Jahr 2017 angelegte schrittweise bundesweite Vereinheitlichung der Übertragungsnetzentgelte wurde 2018 durch Änderungen der Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) und der Anreizregulierungsverordnung (ARegV) konkretisiert und führt zu einem ersten, 20-prozentigen bundeseinheitlichen Anteil an den Netzentgelten. Das NEMoG hat mit Wirkung zum 1. Januar 2019 zudem die Refinanzierung der Offshore-Anbindungskosten von den Netzentgelten in eine neu gestaltete Offshore-Netzumlage nach § 17f des EnWG überführt. Auf europäischer Ebene wurde das „Clean Energy for all Europeans“-Paket zum Jahresende 2018 ausverhandelt und finalisiert.

Weiterführende Informationen zu den für die Geschäftstätigkeit relevanten Gesetzen und Verordnungen befinden sich im Lagebericht der Eurogrid GmbH insbesondere im Kapitel „Energierechtliche Rahmenbedingungen“ in den Abschnitten „Europarecht“ und „Nationales Recht“.

Politische Einflussnahme

GRI 102-16, GRI 415-1

Da sich Aktivitäten des Gesetzes- oder Verordnungsgebers stark auf die Geschäftstätigkeit von 50Hertz auswirken, bringt das Unternehmen Positionen transparent und öffentlich einsehbar in den politischen Prozess ein. Zuständig hierfür ist der Bereich Kommunikation und Public Affairs. Diese politische Kommunikation wird auf verantwortungsvolle Art und Weise betrieben und verzichtet auf Parteispenden. Es wurden ethische Grundsätze zur politischen Interessensvertretung formuliert. Die unternehmensweit gültige und mit der Geschäftsführung abgestimmte Orientierungshilfe zu Handlungsweisen im politischen Umfeld regelt dies. Festgehalten ist, dass 50Hertz keinerlei Spenden an Politiker, Parteien oder politische Institutionen leistet und bei Sponsoring auf die angemessene Gegenleistung sowie auf Ausgewogenheit achtet. Die Verantwortung für Zuwendungen an parteinahen Stiftungen und Vereine ist zentral im Bereich Kommunikation und Public Affairs verankert. Zusammen mit spezifischen Trainingsprogrammen stellt 50Hertz auf diese Art sicher, dass die gesellschafts- und energiepolitisch aktiven Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Kommunikation und ihr Handeln an klar definierten Grundsätzen ausrichten. Darüber hinaus ist 50Hertz im EU Transparency Register eingetragen und bekennt sich zu dessen Code of Conduct. Im Jahr 2018 hat 50Hertz keine Spenden an Politiker oder politische Parteien geleistet.

Die für das Nachhaltigkeitsmanagement wichtigen Gesetze sind im Bereich „Konzepte/Due Diligence“ im Abschnitt „Verantwortung“ beschrieben. Weiterführende Informationen zu den für die Geschäftstätigkeit relevanten Gesetze und Verordnungen befinden sich im Lagebericht insbesondere im Kapitel „Energierechtliche Rahmenbedingungen“ in den Abschnitten „Europarecht“ und „Nationales Recht“.

Antikorruption

GRI 205-1, GRI 205-2

Die Unternehmens-Charta und die Richtlinie Korruptionsprävention konkretisieren, was 50Hertz als Unternehmen unter ethisch korrektem Verhalten versteht, und sie machen klar, dass sich das Unternehmen an Recht und Gesetz hält – und Korruption keine Chance gibt. Diese Grundsätze münden in organisatorischen Maßnahmen, die unternehmensweit gelten und bindend sind.

Seit 2010 ist bei 50Hertz eine Richtlinie in Kraft, die das Hinweisgebersystem regelt und die Etablierung eines internen Compliance-Ausschusses sowie eines externen Ombudsmanns vorschreibt. Der Compliance- Ausschuss besteht aus je einem Mitglied aus den Bereichen Recht und Personal sowie dem Compliance-Koordinator. Einmal jährlich berichtet der Ombudsmann dem Compliance-Ausschuss schriftlich über seine Inanspruchnahme und die Anzahl der erhaltenen Hinweise. Gibt der Ombudsmann einen begründeten Hinweis an 50Hertz weiter, wird umgehend der Compliance-Ausschuss einberufen, der sich mit dem entsprechenden Fall befasst und gegebenenfalls weitere unternehmensinterne Schritte einleitet. Der Ausschuss erstattet der Geschäftsleitung von 50Hertz einmal jährlich sowie anlassbezogen Bericht. Im Jahr 2018 ist beim Ombudsmann kein Korruptionshinweis eingegangen. Im Geschäftsjahr 2018 wurden keine signifikanten Bußgelder gegen 50Hertz rechtskräftig verhängt, die in Verbindung mit der allgemeinen Geschäftstätigkeit oder mit Projekten im Leitungsbau oder dem Betrieb stehen. Zur Abgrenzung von Ordnungswidrigkeiten wurde die Berichtsschwelle bei 25.000 Euro gesetzt.

Darüber hinaus schult 50Hertz regelmäßig alle am Einkaufsprozess beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu den Themen Grundlagen der Beschaffung, Anti-Korruption und regelkonformes Verhalten. Seit 2016 wurden 19 Schulungen für 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unternehmensweit standortübergreifend abgehalten. Für 2019 sind vier Schulungen mit voraussichtlich weiteren 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern geplant.

Risikomanagement

GRI 102-30, GRI 102-11

Im Rahmen des systematischen Risikomanagements erfasst und bewertet 50Hertz regelmäßig die folgenden Risikofelder:

Risikofelder

  • Schutz von Leib und Leben
  • Gewinn & Verlust
  • Liquidität
  • Reputation
  • Versorgungssicherheit.

Das Ziel von 50Hertz ist es, bestandsgefährdende Risiken zu vermeiden, Risikopositionen – soweit sinnvoll – möglichst zu reduzieren und das Risiken-Chancen- Profil zu optimieren. Eine Risikorichtlinie gibt vor, wie Risiken quartalsweise systematisch ermittelt, erfasst, bewertet und überwacht werden. Einmal jährlich findet eine Risikokonferenz statt, in der alle Bereichsleiterinnen und Bereichsleiter (zweite Führungsebene) als Risikoeigner sowie der Risikomanager zusammen mit der Geschäftsleitung über die bedeutendsten Risiken und über risikobezogene Themen diskutieren. Im Rahmen von CSR sind dies beispielsweise Arbeitssicherheit sowie neue Auflagen in der Umweltgesetzgebung.

In den kommenden Monaten werden die bewerteten und überwachten Risiken um weitere Risiken aus dem Klimawandel erweitert. Im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes des Risikomanagements und des Vorsorgeprinzips bezieht 50Hertz die Lieferanten und die damit verbundenen Prozesse ein. In der Einkaufs- und Beschaffungspolitik hat das Unternehmen Anforderungen an Arbeitssicherheit und Umweltschutz verankert, die für alle Lieferanten verbindlich sind. 50Hertz wird in Zukunft seinen Einfluss auf die Struktur der nachhaltigen Lieferkette im Detail analysieren, die für seine Lieferanten relevanten Dokumente zu nachhaltigkeitsrelevanten Aspekten erweitern und seine Geschäftspartner noch weiter für Themen des Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutzes sensibilisieren.

Sicherheit

G4-EUS-DMA Desaster/Emergency Planning and Response (Katastrophen-/Notfallplanung und Maßnahmen zur Katastrophenhilfe)

Als Betreiber sogenannter kritischer Infrastruktur ist 50Hertz durch das IT-Sicherheitsgesetz verpflichtet, Informationssicherheit zu gewährleisten. Dabei sind die Verarbeitung, Speicherung und Kommunikation von Informationen so zu gestalten, dass die Verfügbarkeit, Vertraulichkeit und Integrität der Informationen und der Systeme in ausreichendem Maß sichergestellt werden.

Dazu wurde 2017 ein Informationssicherheitsmanagementsystem nach ISO 27001 eingeführt und 2018 zertifiziert. Durch den etablierten Sicherheitsprozess werden IT-Risiken systematisch erhoben und behandelt. Dabei werden insbesondere auch die durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) übermittelten Sicherheitshinweise und Warnungen aufgenommen und bewertet. Im Bedarfsfall wurden nötige Schutzmaßnahmen abgeleitet und umgesetzt. Im Berichtsjahr wurden keine gezielten Cyber-Angriffe auf 50Hertz registriert oder Schäden durch Informationssicherheitsvorfälle verzeichnet. Im Jahr 2018 haben neben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von 50Hertz auch Personen mit Arbeitnehmerüberlassungsverträgen und externe Mitarbeiter an einem Online-Training zur Informationssicherheit teilgenommen.

Im Januar 2018 erhielt 50Hertz das Zertifikat zum Informationssicherheitsmanagementsystem nach ISO 27001, zu dem 50Hertz als Betreiber sogenannter kritischer Infrastruktur aufgrund des IT-Sicherheitskatalogs der BNetzA verpflichtet ist. Im November 2018 ist das Wiederholungsaudit durchgeführt worden.

Für 50Hertz hört Sicherheit nicht an den Unternehmensgrenzen auf. So werden u.a. in regelmäßigen Krisenstabsübungen das Krisenmanagement sowie die -Krisenkommunikation mit internen und externen Stakeholdern trainiert. Hierbei werden nicht nur die bestehenden Strukturen, Prozesse und Meldewege überprüft und kontinuierlich verbessert, sondern auch die Fähigkeiten der Krisenstabsteilnehmer und Mitarbeiter intensiv geschult, unter besonderen Belastungen mit unerwarteten Ereignissen umzugehen sowie schnelle und geeignete Entscheidungen zur Krisenbewältigung zu treffen. Diese und weitere Maßnahmen dienen dem Ziel, die Wiederstandfähigkeit von 50Hertz fortlaufend ganzheitlich zu erhöhen.