Nachhaltigkeitsbericht

Ausbau des Offshore-Netzes

Die Erzeugung von Energie aus Offshore-Wind nimmt zu. Im Jahr 2018 kam 50Hertz mit dem Offshore-Netzanschlussvorhaben in der Ostsee weiter voran und realisierte die insgesamt 190 Kilometer umfassende Kabelanbindung von zwei Windparks.

Projektcluster Westlich ­Adlergrund (Ostwind 1)

Das im Jahr 2015 gestartete Projekt Ostwind 1 ist Teil des Netzanschlusses Cluster Westlich Adlergrund und umfasst den Anschluss der Offshore-Windparks Arkona (385 MW) und Wikinger (350 MW) an das 50Hertz-Netz in Lubmin. Das Cluster Westlich Adlergrund hat eine Fläche von 109,2 Quadratkilometern und liegt etwa 42 Kilometer von der Küste der Insel Rügen und etwa 90 Kilometer von Lubmin in der Greifswalder Bucht entfernt (in der sogenannten Ausschließlichen Wirtschaftszone). Im Jahr 2018 wurden nach dreijähriger Bauzeit alle Seekabel für Ostwind 1 in den Probebetrieb genommen. Die Kabelverbindungen sind ein wichtiger Bestandteil des Netzes, um in der Ostsee regenerativ erzeugten Strom einzuspeisen.

Erhalten Sie einen Eindruck von den 50Hertz-Arbeiten am Ostwind-1-Anschluss.

Henrich Quick, Leiter Projekte Offshore

„Die Ostsee ist aufgrund ihrer hohen Windausbeute – übrigens wettbewerbsfähig zu der in der Nordsee – eine attraktive Region für die Windenergiebranche. Im April fand die Auktion für weitere Offshore-Projekte statt. Für die Ostsee wurden Zuschläge für Projekte mit einer Leistung von 733 MW erteilt, was deutlich mehr ist als die erwarteten 500 MW. 50Hertz hat den Beschaffungsprozess für weitere Kabel und die Verstärkung des Projektteams begonnen, um diese neuen Windpark-Projekte, die 2022/2023 in Betrieb gehen werden, anschließen zu können.“

Henrich Quick – Leiter Projekte Offshore

 

885 GWh


Im Jahr 2018 speiste der Windpark ­Wikinger 885 GWh regenerativ erzeugten Strom
in das 50Hertz-Netz ein. Das entspricht dem Stromverbrauch von 220.000 Haushalten.
Einzigartig dabei: Das Projekt liegt vor dem Zeitplan und rund 10 Prozent unter dem Budget.


Auf dem Weg zum vernetzten europäischen System

50Hertz setzt sich gemeinsam mit Elia für die Entwicklung eines integrierten europäischen Strommarktes ein. Denn – so unsere Überzeugung – die Verbindung der Märkte führt zu einer größeren Effizienz. Deshalb investiert 50Hertz in Großprojekte wie die Combined Grid Solution und Hansa PowerBridge. Im Zentrum des europäischen Energiesystems nutzen die beiden Unternehmen der Elia Group ihre geografische Lage, um die Versorgungssicherheit durch grenzüberschreitende Leitungen zu stärken.

 

Elke Kwapis, Projektleiterin Combined Grid Solution

„Die Stromnetze der europäischen Länder werden in den kommenden Jahren wachsen und immer stärker vernetzt sein. Ein wesentlicher Bestandteil davon ist die Entwicklung eines echten vermaschten Offshore-Netzes, das die Integration Erneuerbarer Energien und die Nutzung von Interkonnektoren ermöglicht. Ich freue mich sehr, an dieser spannenden Aufgabe mitzuwirken und für das erste Projekt dieser Art, die Combined Grid Solution, zu arbeiten. Täglich sammelt unser sehr engagiertes 50Hertz-Team zusammen mit unserem dänischen Partner Energinet neue Erfahrungen, die uns allen helfen werden, die Großprojekte der Zukunft zu realisieren.“

Elke Kwapis – Projektleiterin Combined Grid Solution

Combined Grid Solution – weltweit einzigartig

Zwischen Dänemark und Deutschland

Die Combined Grid Solution ist ein gemeinsames Offshore-Projekt mit dem dänischen Netzbetreiber Energinet. Es handelt sich um ein sogenanntes Hybridsystem: Die Anbindung von Offshore-Windparks dient zugleich als grenzüberschreitende Verbindung in der Ostsee. Das Stromnetz im Nordosten Deutschlands wird mit dem im dänischen Gebiet Sjaelland verbunden – und dabei das Offshore-Netz der deutschen Ostsee-Windparks Baltic 1 und 2 und des dänischen Offshore-Windparks Kriegers Flak genutzt. Wenn gerade kein Offshore-Windstrom erzeugt wird, steht die Übertragungskapazität für den Interkonnektor zur Verfügung. So leistet die Combined Grid Solution gleichzeitig einen Beitrag zur Einspeisung von mehr Erneuerbarer Energie und zur Versorgungssicherheit, denn sie stabilisiert das europäische Stromsystem. Die Combined Grid Solution geht 2019 in den Betrieb.

Dr. Anne-Katrin Marten, Leiterin Konzepte und Analysen

„Die Windenergie aus den Windparks hat immer Vorrang. Wenn zum Beispiel die tatsächliche Einspeisung die vorherige Prognose übersteigt, wird sofort ein Marktgeschäft (Counter Trade) so durchgeführt, dass der Marktfahrplan der verbleibenden physikalisch verfügbaren Kapazität entspricht – und das auch bei fluktuierender Windeinspeisung. Stark fluktuierende Leistungsflüsse führen im Netz der Combined Grid Solution zudem zu Herausforderungen in der Spannungshaltung. Neben diesen Echtzeitanforderungen, muss der Markt auch sehr kurzfristig über zusätzliche freie Übertragungskapazitäten informiert werden. All diese und weitere Herausforderungen lösen wir mit dem ersten voll automatisierten Systemführungstool, dem Mastercontoller for Interconnektor Operation (MIO). Ein bislang einzigartiges Tool für ein bislang einzigartiges Projekt.“

Dr. Anne-Katrin Marten – Leiterin Konzepte und Analysen

Die Hansa PowerBridge

Zwischen Schweden und Deutschland

Hansa PowerBridge ist eine Kabelverbindung an Land und auf See, die vom Umspannwerk Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern durch die Ostsee nach Schweden führen wird. Eine Hochspannungs-Gleichstromverbindung (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung, HGÜ) wird die 300 Kilometer lange Strecke „überbrücken“: die Hansa PowerBridge. Das Projekt liefert einen wichtigen Beitrag zur Systemstabilität und ermöglicht zukünftig die indirekte Speicherung von Strom aus deutschen erneuerbaren Energiequellen. Von der Kombination der schwedischen Wasserkraft mit dem deutschen Erzeugungssystem werden beide Länder profitieren.

Hansa PowerBridge wird über eine Kapazität von rund 700 MW verfügen und 2025/2026 in Betrieb gehen. 50Hertz arbeitet gemeinsam mit dem schwedischen Übertragungsnetzbetreiber Svenska Kraftnät an dem Projekt. Im Mai 2018 fand die erste Untersuchung des Ostseebodens im geplanten Trassenverlauf statt.

Eine Leitung für die Energiewende: Die Hansa PowerBridge erklärt

Gert Schwarzbach, Leiter Interconnectors

„Die Hansa PowerBridge bedeutet, dass 50Hertz einen fünften elektrischen Nachbarn bekommt. Beiden Seiten bringt der Interkonnektor Vorteile: Windenergie aus Deutschland wird dazu beitragen, die Strompreise in Südschweden zu senken, und bei ruhigen Windverhältnissen kann Deutschland Strom aus den riesigen Wasserkraftwerken in Nordschweden beziehen“

Gert Schwarzbach – Leiter Interconnectors