Icon - Instagram

Nachhaltigkeitsbericht 2016 Unsere Verantwortung

Im Dialog mit Anspruchsgruppen


Der transparente und akzeptanzschaffende Dialog mit unseren Anspruchsgruppen bei der Netzentwicklung und der Verstärkung vorhandener Netzkapazitäten ist uns wichtig. Darüber hinaus unterstützen wir im Netzgebiet vielfältige Projekte, die Kultur und Sport fördern, die Natur und biologische Vielfalt schützen oder die sozialen Initiativen zur Seite stehen. Das Wohl und die Förderung von Kindern und Jugendlichen liegen uns dabei besonders am Herzen. Wir sind davon überzeugt, dass wir unser gesellschaftliches Engagement durch enge Kooperationen mit Nichtregierungsorganisationen sowie Partnern aus Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft am erfolgreichsten gestalten.

Für die Umsetzung unserer vielfältigen gesellschaftlichen Aktivitäten haben wir bei 50Hertz klare Management- und Organisationsstrukturen etabliert. Die Verantwortung für unser Engagement liegt im Bereich Kommunikation/Public Affairs. In Abstimmung mit der Geschäftsführung legt der Bereich die Zielsetzungen fest, koordiniert die Aktivitäten und prüft Anfragen für unterstützungswürdige Vorhaben. In unserer Richtlinie für Spenden und Sponsoring haben wir unsere allgemeinen Fördergrundsätze, die Bewertungskriterien und den organisatorischen Ablauf transparent, einheitlich und bindend für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter festgelegt. Wir achten bei der Vergabe von Spenden und der Unterstützung durch Sponsoring stets darauf, dass dies im Einklang mit unseren Unternehmenswerten steht, auf Langfristigkeit ausgelegt ist und einen echten Mehrwert für die Gesellschaft und die Menschen bietet. Derzeit arbeiten wir an einem Konzept, welches das Gemeinwohl durch Corporate Volunteering-Aktivitäten, Patenschaften und Pro- bono-Projekte noch stärker in den Vordergrund rückt.

Frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung

Um die Energiewende erfolgreich umzusetzen, ist es erforderlich, die Höchstspannungsnetze weiterzuentwickeln. In den Regionen, in denen vorhandene Kapazitäten verstärkt oder neue Leitungen gebaut werden, ist der Informationsbedarf der Bürgerinnen und Bürger und spezieller Anspruchsgruppen groß. Wir legen daher besonderen Wert auf einen offenen und transparenten Dialog mit der Öffentlichkeit, um sie frühzeitig zu beteiligen, die Projekte somit zu verbessern und dadurch die Basis für Akzeptanz zu legen.

Übergeordnetes Ziel unserer proaktiven Information und unseres Dialogs ist es stets, den Trassenverlauf unter Beteiligung möglichst aller betroffenen Anspruchsgruppen transparent und nachvollziehbar zu erarbeiten. Die Dialoge mit den Betroffenen finden nach klar definierten Vorgaben, in festgelegten Formaten und über einen standardisierten „Werkzeugkasten“ statt. Vom Netzausbau betroffene Gemeinden und Anrainer werden von uns von Anfang an – schon vor Beginn des formellen Genehmigungsverfahrens – in die Planung eingebunden. Dieses Vorgehen haben wir gemeinsam mit kommunalen Spitzenverbänden in einem 2015 veröffentlichten Positionspapier bekräftigt.

Dialogmobil

Wir beginnen in einer sehr frühen Planungsphase mit dem Dialog mit unseren Anspruchsgruppen. Dies schließt die Konsultation zum Netzentwicklungsplan als auch zu Netzverstärkungs- und Ausbauvorhaben ein. Den Dialog gestalten wir unter anderem mit folgenden Angeboten: Infomärkte, runde Tische, themenspezifische Broschüren, Bürgertelefone oder mit unserem Dialogmobil. Darüber hinaus regeln unsere Dachrichtlinie und die Genehmigungs-Roadmap die Zeitpunkte und das Zusammenspiel von Projektplanung, Genehmigung, Öffentlichkeitsbeteiligung und Stakeholder-Management. 

Das Dialogmobil kam erstmals 2014 in Berlin und Brandenburg beim Projekt 380-kV-Freileitung Bertikow-Pasewalk zum Einsatz. Aufgrund der positiven Resonanz ist das Dialogmobil als rollendes Bürgerbüro seitdem regelmäßig zur Kommunikation in den Netzentwicklungsregionen unterwegs. Im Jahr 2016 haben wir uns deshalb entschlossen, ein eigenes Dialogmobil anzuschaffen. Seit Mai 2016 war das 50Hertz-Dialogmobil 3.210 Kilometer in unserem Netzgebiet unterwegs, um den direkten Austausch mit der Bevölkerung auch in kleineren Orten auf Marktplätzen, vor Rathäusern und Gemeindezentren zu ermöglichen. In 24 Fachkonferenzen mit Trägern öffentlicher Belange und Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sowie mehr als 70 direkten Gesprächsrunden in Landkreisen, Ministerien und weiteren Behörden haben wir die geplanten Trassenkorridore außerdem diskutiert.

 


Projektrealisierung einer Freileitung Projektrealisierung einer Freileitung

Visualisierung der Trassenvorhaben

In dieser frühen Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung nutzen wir auch Videosequenzen und Grafiken zur Visualisierung unserer Trassenvorhaben. Diese reichen von standardisierten Darstellungen und Miniaturen bis hin zu projektindividuellen Modellen, Videos und Computersimulationen, die den gesamten Planungsraum mit Grobkorridor, die Bestandstrasse, den Bestandskorridor und ermittelte Alternativkorridore in verschiedenen Sequenzen veranschaulichen. Bei unserem bis 2018 laufenden Forschungs- und Entwicklungsprojekt compactLine setzen wir diese Visualisierungsmöglichkeiten umfassend ein, führen Workshops mit unseren Anspruchsgruppen durch und bewerten die Akzeptanz des innovativen Mast-Designs.

Im Rahmen unserer frühen Öffentlichkeitsbeteiligung zum SuedOstLink, einer der wichtigsten neuen Stromverbindungen zwischen Nord- und Süddeutschland zur Realisierung der Energiewende, haben wir bei 50Hertz im Zuge der vielfältigen Termine und Gespräche vor der Abgabe unserer Trassenvorschläge mit über 800 Stakeholdern 665 Hinweise erhalten, von denen 560 planungsrelevant waren. Als Ergebnis wurden neun Änderun-gen an bestehenden Trassenkorridorsegmenten und zwei neue Segmente im Planungsteil von 50Hertz realisiert.

Um die Wirkung, die Qualität und den Erfolg der frühen Öffentlichkeitsbeteiligung bei 50Hertz messbar zu machen, entwickeln wir derzeit ein indikatorenbasiertes Bewertungssystem. Hierbei berücksichtigen wir sowohl qualitative Faktoren wie die Beziehungsqualität zu einzelnen An-spruchsgruppen als auch quantitative Daten wie die Anzahl der planungsrelevanten Hinweise oder die Medienresonanz eines Projektes.

Als verantwortungsvoller Übertragungsnetzbetreiber empfangen wir regelmäßig Besucherdelegationen aus aller Welt. So begrüßten wir 2016 in unserer Leitwarte, dem „Transmission Control Centre“ in Neuenhagen, und im 50Hertz-Netzquartier in Berlin insgesamt 951 Besucherinnen und Besucher, die an unseren Erfahrungen mit der sicheren Integration von großen Mengen Erneuerbarer Energien in das Netz, dem sicheren Systembetrieb und der Strommarktentwicklung interessiert waren. Davon kamen rund 400 Gäste aus dem nahen und fernen Ausland: aus den USA, Mexiko, der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ghana, Indien und China. 

Computersimulation der Trassenverläufe