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Nachhaltigkeitsbericht 2016 Unsere Verantwortung

Naturschutz

Wir verfolgen den Grundsatz, unseren Einfluss auf die Natur so gering wie möglich zu halten. Im Rahmen von Genehmigungsverfahren bei Projektplanungen achten wir nicht nur auf die Belange der Bevölkerung und der Technik, sondern berücksichtigen stets auch den Schutz von Flora und Fauna. Im Vorfeld solcher Verfahren ist neben Umweltverträglichkeitsprüfungen eine Raumuntersuchung vorgeschrieben, die den Ist-Zustand feststellt und einen möglichst verträglichen Trassenkorridor identifiziert. Anschließend wird in diesem Raum der genaue Verlauf der Leitung verortet und festgelegt, welche Schutzmaßnahmen dabei beachtet werden müssen. 

All diese Untersuchungen werden gemeinsam mit externen Umweltplanern, Trassierungsexperten und gegebenenfalls mit weiteren Spezialisten aus Wissenschaft und Naturschutz entwickelt. Erst wenn dieser Gesamtprozess durchlaufen ist, kommt es zum Bauvorhaben – einschließlich externer ökologischer Baubegleitung. Baustelleneinrichtungen und Bauablauf werden so umgesetzt, dass auch die vorübergehenden Beeinträchtigungen der Natur minimiert, naturschutzrelevante Fristen und Vorgaben frühzeitig berücksichtigt und die im Auftrag von 50Hertz ausführenden Unternehmen für die ökologischen Aspekte ihres Handelns verpflichtet werden. Wo dies erforderlich ist, nehmen wir Eingriffskompensationen in Form von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen (AuE) vor.

Wesentliche Bestandteile der Ökologischen Baubegleitung (ÖBB )

  • Überwachung der Einhaltung von Schutz-, Vermeidungs- und Verminderungsmaßnahmen des landschaftspflegerischen Begleitplans und der Erfüllung von Auflagen und Bedingungen im Planfeststellungsbeschluss 
  • Beratung bei der Flächenauswahl für Baustelleneinrichtungen und Baustofflager 
  • Abnahme aller beanspruchten Flächen nach Rekultivierung bzw. Renaturierung einschließlich Fotodokumentation 
  • Schriftliche Dokumentation der Schutz- und Minimierungsmaßnahmen zur Übergabe an die Naturschutzbehörden 
  • Erfassung von im landschaftspflegerischen Begleitplan nicht bilanzierten, unvermeidbaren Eingriffen während der Bauausführung 
  • Teilnahme an Bauberatungen

Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen

Bei der Planung und Umsetzung von AuE-Maßnahmen binden wir frühzeitig die betroffenen Gemeinden, Naturschutzbehörden und Nichtregierungsorganisationen ein. Denn sie kennen sich mit den Besonderheiten der Natur- und Lebensräume in ihrem Umfeld am besten aus. Im partnerschaftlichen Miteinander erarbeiten wir frühzeitig die geeigneten Vorhaben und schlagen diese im Zuge der Genehmigungsplanungen vor. Derzeit befinden sich 503 AuE-Maßnahmen im 50Hertz-Netzgebiet in Planung bzw. Umsetzung. Unsere AuE-Maßnahmen lassen sich in sechs Kategorien einteilen.    

Ein gelungenes Beispiel für eine AuE-Maßnahme, die sowohl ökologische als auch kulturelle Belange vereint, ist die Wiederherstellung des Renaissance-Gartens des Schlosses Kannawurf im Landkreis Sömmerda nach historischem Vorbild. Neben einer 240 Meter langen Natursteinmauer, die neue Heimat für viele bedrohte Reptilienarten sein wird, bietet der Barockgarten auf über 6.000 Quadratmetern eine beeindruckende Pflanzenpracht und zusätzlich Arbeitsplätze für drei Gärtner. Das bis 2018 laufende Projekt hat ein Investitionsvolumen von rund einer Million Euro und ist eine von unseren 113 Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, die wir allein im Rahmen des Baus der Südwest-Kuppelleitung durch Thüringen vorgenommen haben.

Bei der Planung, dem Bau und dem Betrieb von Leitungen initiieren und gestalten wir den Dialog mit lokalen Umwelt- und Naturschutzbehörden. In gemeinsamen Konsultationen planen wir die potenziellen Leitungskorridore, um Landschaft und Natur so gut wie möglich zu schützen. Wo immer es möglich und sinnvoll ist, werden Leitungen mit bereits existierenden Freileitungen und anderen Infrastrukturen wie Bahntrassen und Autobahnen zusammengelegt und gebündelt. Um das Landschaftsbild nicht unnötig zu beeinträchtigen, werden die Strecken den Gegebenheiten der Landschaft angepasst.

Was sind Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen (AuE)?

Das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) regelt in Deutschland die Belange des Naturschutzes. Auch für Infrastrukturmaßnahmen wie den Leitungsbau sind darin im Hinblick auf Eingriffe in die Natur (Eingriffsregelung) entsprechende Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen geregelt. Nach BNatSchG ist der Verursacher dazu verpflichtet, vermeidbare Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft zu unterlassen bzw. so gering wie möglich zu halten (Vermeidungs- und Minimierungsgebot). Unvermeidbare Beeinträchtigungen sind durch geeignete Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zu kompensieren. 

Wir bei 50Hertz haben in der Vergangenheit immer den Fokus auf die Durchführung eigener AuE-Maßnahmen gelegt, etwa in Form von Ersatzpflanzungen. Daneben sind aber auch Beteiligungen an Projekten anderer Organisationen sowie Ausgleichszahlungen möglich. Diese Optionen wollen wir in Zukunft aus Gründen der Effizienz stärker als bislang nutzen.

Ökologischen Schneisenmanagement

Um eine Freileitung in Waldgebieten zu bauen, werden in der Regel Schneisen angelegt, denn die Leiterseile brauchen wegen der notwendigen Sicherheitsabstände genügend Freiraum zu den Seiten und zum Boden. Auf den Schneisen müssen deshalb abschnittsweise und immer wiederkehrend Bäume entfernt werden. Bäume und Sträucher bieten jedoch Lebensräume für zahlreiche Tiere und Pflanzen. Deshalb ist es unser Ziel, diese Naturräume langfristig so wenig wie möglich zu beeinträchtigen und somit die Biodiversität unter unseren Leitungen zu erhöhen. Mit dem bereits 2010 in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Erfurt entwickelten „Ökologischen Schneisenmanagement“ (ÖSM) betreiben wir eine vorausschauende, eingriffsminimierende und ökologisch verträgliche Trassenplanung und -bewirtschaftung: Die Schneise unter einer Freileitung wird unter Berücksichtigung des sicheren Betriebs so gestaltet, dass dort wieder natürliche Habitate entstehen. Im Projektablauf entwickelt sich so eine biologisch diverse und wertvolle Schneise. Wir wenden das ÖSM pflichtgemäß auf Neubautrassen an und darüber hinaus auf freiwilliger Basis bei Bestandstrassen. 

Wir haben in unserer Regelzone insgesamt 550 Kilometer Bestandstrassen identifiziert, die durch Waldgebiete führen und sich deshalb prinzipiell für das ÖSM eignen. Im Jahr 2016 haben wir davon 190 Kilometer beflogen, um einzelne ÖSM-Bereiche auszuwählen und die Planung vorzubereiten. Nach erfolgter Planung werden alle in einer Trasse vorgenommenen Pflegemaßnahmen nach den Grundsätzen des ÖSM ausgerichtet. So konnten wir gegenüber dem Vorjahr in 2016 unsere Waldrandgestaltung von 5,5 Kilometer auf 7,1 Kilometer ausweiten und die Anzahl unserer Pflanzungen von 2.000 auf 20.700 im Jahr 2016 erhöhen. Bei Neubauprojekten kam das ÖSM erstmals auf der Südwest-Kuppelleitung im Bauabschnitt 2 und 3 zum Einsatz. Insgesamt 36,5 Kilometer der Neubautrasse, die auch als „Thüringer Strombrücke“ bekannt ist, wurden komplett im ÖSM umgesetzt bzw. planfestgestellt.